Libellengedichte...

Die Libelle€
Heinz Erhardt (1909 -1979)

Liebe Libelle,
flieg nicht so schnelle!
Denk der Gefahren,
die deiner harren:

Bäume und Zäune,
Äste und Steine
auf allen Wegen!
Du fliegst dagegen!

Mit gebrochenen Gliedern
liegst du im Staube.
Dann kommt der Herbst,
du vermoderst im Laube...

Oder ein Vogel
will dich erhaschen,
will dich zerbeißen
und hastig vernaschen...

Oder ein Forscher
mit seinem Netze!
Erst tut er sachte,
dass nichts dich verletze
und freut sich stolz seines Besitzes!

Zu Hause jedoch nimmt er was Spitzes
und sticht´s dann
durch deine weichste Stelle:
arme Libelle!

Flieg nicht so schnelle,
genieße die Stunden
oder Sekunden.
die dir zum Leben
gegeben!

Scheint warm die Sonne:
freu dich des Lichts!
Fällt Regen die Bäche,
hast du vom Leben nichts -
im Gegensatz zur Forelle!

 

Die Freude€
Johann Wolfgang von Goethe 1749 - 1832

Es flattert um die Quelle
Die wechselnde Libelle,
Mich freut sie lange schon;
Bald dunkel und bald helle,
Wie der Chamäleon,
Bald rot und blau,
Bald blau und grün.
Oh dass ich in der Nähe
Doch ihre Farben sähe!

Sie schwirrt und schwebet, rastet nie.
Doch still, sie setzt sich an die Weiden.
Da hab´ ich sie! Da hab´ich sie!
Und nun betracht´ich sie genau,
Und seh´ ein traurig dunkles Blau -

So geht es Dir, Zergliedrer Deiner Freuden!

 

Der Stein und die Libelle€
(Moralische Gasele)
Arthur Koetz (1896 - 1953)

In einem Weiher klar und rein
Lag auf dem Grund ein dicker Stein.
Er blickte missvergnügt empor
Und seufzte: Warum darf´s nicht sein,
Dass ich einmal aus meiner Tiefe
Auftauchen kann zum Spiegelschein
Der Oberfläche über mir?
Ist keiner, der mich kann befrei´n?
Dort oben schimmerts bunt und licht,
Ich aber liege tief, verlassen und allein.
Zur gleichen Zeit, mittags um zwein,
Schwirrt überm Teich im Sonnenschein
Eine Libelle blau und leicht
Und sieht tief unter sich den Stein.
“Ach”€, seufzt sie, als sie ihn erspäht,
“Wie oberflächlich muss ich sein,
Nie kann ich ruh´n in seiner Tiefe,
Nie kann ich sein mit mir allein,
Könnt ich hinuntertauchen doch,
O, wär es mir vergönnt, der dicke Stein zu sein!”

Und die Moral? Wie ihr wohl wisst:
Das Glück ist dort, wo du nicht bist.
Drum ist´s auch Glück, sich zu bescheiden,
Schon weil die Andern dich beneiden.

Die Libelle€
Heinrich Heine (1797 - 1856)

Es tanzt die schöne Libelle
Wohl auf des Baches Welle;
Sie tanzt daher, sie tanzt dahin,
Die schimmernde, flimmernde Gauklerin.

Gar mancher junge Käfertor
Bewundert ihr Kleid von blauem Flor,
Bewundert des Leibchens Emaille
Und auch die schlanke Taille.

Gar mancher junge Käfertor
Sein bisschen Käferverstand verlor;
Die Buhlen sumsen von Lieb und Treu,
Versprechen Holland und Brabant dabei.

Die schöne Libelle lacht und spricht:
Holland und Brabant brauch ich nicht,
Doch sputet Euch, Ihr Freier,
Und holt mir ein Fünkchen Feuer.

Die Köchin kam in Wochen,
Muss selbst mein Süpplein kochen;
Die Kohlen des Herdes erloschen sind -
Holt mir ein Fünkchen Feuer geschwind.

Kaum hat die Falsche gesprochen das Wort,
Die Käfer flatterten eilig fort.
Sie suchen Feuer, und lassen bald
Weit hinter sich den Heimatwald.

Sie sehen Kerzenlicht, ich glaube
In einer erleuchteten Gartenlaube;
Und die Verliebten, mit blindem Mut
Stürzen sie sich in die Kerzenglut.

Knisternd verzehrten die Flammen der Kerzen
Die Käfer und ihre liebenden Herzen;
Die einen büßten das Leben ein,
Die andern nur die Flügelein.

O wehe dem Käfer, welchem verbrannt
Die Flügel sind! Im fremden Land
Muss er wie ein Wurm am Boden kriechen,
Mit feuchten Insekten, die herrlich riechen.

Die schlechte Gesellschaft, hört man ihn klagen,
Ist im Exil die schlimmste der Plagen.
Wir müssen verkehren mit einer Schar
Von Ungeziefer, von Wanzen sogar,

Die uns behandeln als Kameraden,
Weil wir im selben Schmutze waten -
Drob klagte schon der Schüler Virgils,
Der Dichter der Hülle und des Exils.

Ich denke mit Gram an die bessere Zeit,
Wo ich mit beflügelter Herrlichkeit
Im Heimatäther gegaukelt,
Auf Sonnenblumen geschaukelt,

Aus Rosenkelchen Nahrung sog
Und vornehm war, und Umgang pflog
Mit Schmetterlingen von adligem Sinn,
Und mit der Zikade, der Künstlerin -

Jetzt sind meine armen Flügel verbrannt;
Ich kann nicht zurück ins Vaterland,
Ich bin ein Wurm, und ich verrecke
Und ich verfaule im fremden Drecke.

O, dass ich nie gesehen hätt
Die Wasserfliege, die blaue Kokett
Mit ihrer feinen Taille -
Die schöne, falsche Kanaille!

 

Im Zeichen der Libelle€
Kathrin Bischoff, 2006

Libellen leichter Flügelschlag
Zeichnest im Wind
In unbeirrter Träumerei
Ein neues Kind.

Deine Unbefangenheit ehrt dich
Zeigt in deiner Leuchtkraft
So unbeschreibbar herrlich
Was du alles schaffst.

Mit deiner Familie
Bringt ihr die Farben
Zusammenhalt im Spiele
Ist eure besondere Gabe.

Wohin eure Reise auch führen mag
Wohin der Wind des Glücks euch bringt
Und so ist es ein jeder Tag
An dem Harmonie gelingt.

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